Musik-Besprechung - Men Without Pants - Naturally
Inhalt:
Männer ohne Hose? Hatten gerade Sex. Oder werden gleich Sex haben. Ok. Sind gerade bei der Musterung. Hm, weniger ok, siehe auch: Besuch beim Urologen. Schlimm. Und ganz unschön: können sich nichts bei Kik leisten. Oder aber machen Musik. Ah, Glück gehabt, Men Without Pants gehören zur zuletzt genannten Sparte. Wie die Herrn Russell Simins und Dan The Automator auf den Namen gekommen sind will man eigentlich auch nicht so wirklich wissen, fest steht hingegen, wie man zusammen fand. Simins dazu: "We developed a deep-seeded friendship from working on Blues Explosion together, then wanted to do a collaboration that was ours and ours alone." Und wer sind die Herrn hinter Men Without Pants? Schnell mal das Duo für den geneigten Musikhörer einsituieren: Simins ist wohl bestens bekannt als Schlagzeuger bei (The Jon Spencer) Blues Explosion und Daniel M. Nakamura aka. Dan The Automator war u.a. Produzent bei den Gorillaz und Mitglied bei Deltron 3030. Nakamura war darüber hinaus als Remixer für Primal Scream, den Eels oder auch Kid Koala tätig. Als Men Without Pants hat man nun das Album Naturally eingespielt, was weder mit Blues Punk noch Hip Hop sonderlich viel zu tun hat, den bevorzugten Genres in denen sich Simins und Nakamura sonst musikalisch aufhalten. Stattdessen ist mit Naturally eine Rockplatte entstanden, die durch diverse Gastmusiker veredelt wird, etwa Sean Lennon als auch Mitglieder derYeah Yeah Yeahs, The Pierces, Blonde Redhead und The Mooney Suzuki.
Naturally beginnt mit And The Girls Go, lauter, straighter Gitarrenrock, der das gesamte Album dominiert. Nicht mehr und nicht weniger. Musikalisch ist das natürlich nicht sonderlich abwechselungsreich, wie das folgende Stück Double Life zeigt, soll heißen: klingt in etwa gleich. Was nicht heißen soll, das Naturally auf Dauer langweilt , stattdessen gilt es die Feinheiten, die Details zu entdecken. So ist etwa Superfine bereits deutlich verspielter, My Balloon stellt Gastmusikerin Gillian Rivers erstmalig in den Vordergrund, sowohl als Sängerin als auch Violinistin, und Let's Meet In Real Life erinnert mit seinen Beats am ehesten an Nakamuras Hip Hop Wurzeln.
Doch zurück zum Rock: Never Gonna Do That Again klingt wie beste Primal Scream zu Hochzeiten, Rock Show sind knappe 1:20 Minuten Garagenrock. Mit If You're Thinking Of Me spielt man einmal mehr mit elektronischen Elementen und Keyboardsounds, was der aufkommenden Eintönigkeit des Albums deutlich und berechtigt in die Quere kommt. Keep It Movin' dringt weiter Richtung Electronic vor, gibt der Platte eine schwere, fast schwüle Note. Die behält auch All You Need Is Luck bei, bevor mit The Beginning fast ein Popsong an der Reihe ist, der an 80er Jahre David Bowie/Iggy Pop Song erinnern mag.
Es folgt mit I Do die schnelle Rückbesinnung zum Konzept "laute Rockplatte" und gen Ende abermals ein Titel aus der Reihe "Plattentitel die ans Ende der Platte passen könnten, ach wie wär's mit…": Goodbye. Übrigens der deutlich leiseste Titel des ganzen Albums und damit einer der stärksten, da einmal nicht sämtlich Instrumente und Vocals hinter einer Wand aus Gitarren zu verschwinden drohen…
Fazit:
Trotz diverser Gaststars erscheint Naturally als recht stimmige, homogene Platte. Nakamura und Simins vereinen die vielen musikalischen Stimmen unter dem Gesamtidee "hey, wir machen ein Rockalbum". Wo da jetzt die Yeah Yeah Yeahs oder The Mooney Suzuki spielen, bleibt im beiliegenden Booklet nachzulesen, herauszuhören sind die Gastmusiker nur schwerlich. Das Konzept Rockalbum funktioniert denn auch, lässt aber weiterhin noch genug Raum für Ausbrecher wie das abschließende folkige Goodbye oder das elektronisch besetzte Keep It Movin'. So langweilt Naturally nur selten und zeigt eine andere Seite der beiden Hauptprotagonisten des Albums, Dan The Automator und Russell Simins. Zum Namen der Band und zum Albumtitel befragt meint Simins übrigens folgendes: "Because sex should be a part of everyday life.". Ha, also doch gerade oder gleich wieder Sex…
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