Musik-Besprechung - Crystal Stilts - Alight Of Night
Inhalt:
Die Crystal Stilts sind derzeit der gar nicht mehr so geheime Geheimtipp aus Brooklyn, NY. Einst als Duo gegründet, hat sich die Band stetig auf runde fünf Personen erweitert und passenderweise genau so viele Jahre am ersten Album gearbeitet. Eben dieses Debüt namens Alight Of Night wird in der Kritik durchweg gefeiert und landen soeben auf dem heimischen Plattenteller…
Gleich der erste Track The Dazzled zeigt die von den Musikern eingeschlagene Richtung auf Alight Of Night an: düstere Vocals stehen hinter verrauschten Gitarren zurück und liefern einen schwer unheilvollen Soundtrack, der den Hörer aber sogleich in den Band zu ziehen vermag. Ohnehin erscheint die Assoziation Soundtrack zu einem imaginären Film bei den Crystal Stilts wie auch schon bei den New Yorker Kollegen Interpol gar nicht so weit hergeholt: während diese die kühle Atmosphäre einer Bret Easton Ellis Verfilmung geradezu heraufbeschwören untermalen die Stilts musikalisch hingegen den nächsten Tarantino Streifen, etwa mit dem zweiten Song des Albums, Crystal Stilts. Das Soundtrackgerüst ist aber variabel genug um zu unterhalten, die Songs geraten bisweilen drückend und wenig farbenfroh, etwa wenn sich die Band in den Graveyard Orbit begibt, oder schlagen auch schon mal in 60's Surf Klänge um, so zu hören im Prismatic Room.
Stücke wie The SinKing entwickeln dabei einen fast hypnotischen Drive, scheinen randvoll mit Ideen, überladen und kompakt zugleich. Gerade beim beängstigend düsteren Departure erinnert Sänger Brad Hargett einmal mehr an Ian Curtis oder gerne auch an Paul Banks. Joy Division und Interpol, mal wieder. Minimal bessere Laune mag da Shattered Shine verbreiten, doch die Crystal Stilts sind stets meilenweit davon entfernt ein happy go lucky Album abzuliefern. Da hilft hier weder eine Mundharmonika, noch auf Verdant Gaze die ausgeleierte Orgel. Und auch ein Titel wie Bright Night reißt die Band nicht aus den dunklen New Yorker Hinterhof Garagen ans gleißende Tageslicht.
So schleppt sich das vom eigenen Ideal der distanziert Abstand haltenden Kunstband mit stetig schlechter Laune und zu wenig Tageslicht etwas ermüdet wirkende Spiral Transit gen Ende der Platte ans träumerisch ausufernde The City In The Sea heran, das dem Album einen beinahe versöhnlichen, das Grau am Horizont vertreibenden Abschluss beschert…
Fazit:
Crystal Stilts sortiert man mit Alight Of Night im Plattenregal gleich bei Velvet Underground und The Jesus And Mary Chain ein. Leicht angestaubt wirkender Garagenrock, etwas schräg und bisweilen auch etwas anstrengend. Wer es denn mag. Tja, fast meint man die Dandy Warhols hätten den Crystal Stilts bei den Aufnahmen der Songs unter die Arme gegriffen. Fast, denn im Gegensatz zu den Dandys schaffen es die New Yorker ihre Songs auch irgendwann nach 3 Minuten enden zu lassen. Ein deutlicher Pluspunkt. Zusätzlich ist die Post-Punk Joy Division Komponente nicht zu überhören, welche das komplette Album wie ein roter Faden durchzieht. Hargett klingt eben wie er klingt, aber auch hier: Pluspunkt. Und natürlich: zweites Fanlager gesichert. Mit Alight Of Night erspielen sich die Crystal Stilts so nicht nur unter Nostalgikern ihre eigenen Fans…
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