Musik-Besprechung - Bell X1 - Blue Lights On The Runway
Inhalt:
Bell X1 ist nicht unbedingt ein hierzulande dem gemeinen Musikhörer geläufiger Name. Damien Rice schon eher; und eben der gehörte nämlich ursprünglich zu Juniper, der Band aus der Bell X1 schließlich hervor ging. Nach der Trennung von Rice, da dieser sich auf seine Solokarriere konzentrieren wollte, und der Namensänderung übernahm bis dato Drummer Paul Noonan den Part des Sängers. Unlängst machte die irische Band mit ihrem Album Flock in ihrer Heimat auf sich aufmerksam und erreichte dort sogar die Spitze der Albumcharts. In der Folge wurde Bell X1 dann auch in den USA in TV-Serien wie Grey's Anatomy oder One Tree Hill gefeatured, was, siehe etwa Snow Patrol, durchaus karrierefördernd sein kann. Mit Blue Lights On The Runway veröffentlichen die Musiker nun ihre bereits vierte Platte…
Gleich der erste Song des Albums, The Ribs Of A Broken Umbrella, erinnert erstmal rein stimmlich direkt an die Talking Heads bzw. deren Frontmann extraordinaire David Byrne. Musikalisch dagegen ist das Stück natürlich reiner Pop, ohne große Verschrobenheiten zu riskieren, ohne große Wagnisse einzugehen. Denn schließlich sollen Bell X1 sicher noch mal in der nächsten Season von Grey's Anatomy laufen. Ähnlich verhält es sich mit dem Rest der Platte: Bell X1 sind eine moderne Popband mit leichten, aber nicht Überhand nehmenden elektronischen Einflüssen, so gemahnt etwa How Your Heart im besten Fall gleich an die Finesse von The Postal Service. Der folgende Song, die Single The Great Defector, behandelt laut Noonan das Leben auf Tour, eine "celebration of the madness." Erneut mag man an die Talking Heads denken beim Hören des Songs, was abermals an Noonans Stimme liegt, diesmal aber auch musikalisch komplexere Formen annimmt. Grandioses Stück, sicher ein Highlight des Albums.
Den bisherigen guten Eindruck von Blue Lights On The Runway revidiert die etwas seicht geratene Ballade Blow Ins bevor sich die Band mit dem Song Amelia die Pilotin Amelia Earhart zum Thema nimmt; deren Co-Pilot laut Sänger Noonan zufällig ein gewisser Fred Noonan war. Verwandtschaftsverhältnisse ungeklärt. Und da Bell X1 es ja eh mit Flugzeugen haben - schließlich haben sie sich nach einem solchen benannt - erscheint der wahrscheinlich unwahrscheinliche persönliche Bezug nun auch gar nicht so weit hergeholt. Der nächste Track namens A Better Band ist im Vergleich zum vorangegangenen Stück geradezu verschachtelt und komplex, "This was the hardest tune to make work but we love playing it live." Spannend ist leider dennoch anders.
Breastfed ist dann ein endlich wieder etwas flotterer Popsong und zum anschließend Light Catches Your Face meint Noonan: "The simplest, everything-played-and-sung-live song on the record. One of those very satisfying recording moments." Einer der langweiligsten Momente der Platte leider ebenfalls. One Stringed Harp beschreibt er dagegen wie folgt: "We wanted this to be theatrical, in a lush, timpani-and-fanfare Bacharach kind of way." Heraus kam stattdessen ein fröhlicher Popsong, dessen Tiefe sich auch nach mehrmaligem Hören noch nicht ganz erschließen lässt. The Curtains Are Twitching trumpft zum Abschluss der Platte mit einem extra in New Orleans aufgenommen Blechbläser Arrangement auf: "I heard a New Orleans funeral march over the latter part of the song (in me head) so we found a brass section in New Orleans, sent them the tune and they sent us back the brass part." Gerade in solchen Momenten, wo Bell X1 ihren üblichen Popkosmos verlassen, wird Blue Lights On The Runway spannend. Nur leider jetzt eben doch viel zu spät…
Fazit:
Als "sunshine pop with a heart of darkness" bezeichnet die Plattenfirma Bell X1s Musik und so unzutreffend solche Label auch oftmals sein mögen, welche Künstlern aufgedrückt werden, so passend ist die Beschreibung doch in diesem Fall. Textlich trauen sich Noonan und Co. gerne mal an etwas düstere Geschichte heran, verpacken diese aber gekonnt in gut gelaunte Popsongs. Radioairplay gesichert, künstlerischer Anspruch eh, bestens. Oder eben auch nicht: denn Blue Lights On The Runway verstreicht letztlich ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen, Bell X1 sind in etwa so nachhaltig wie die aktuellen Snow Patrol. Und irgendwie will man das auch sein. Das da aber mehr drin wäre, zeigen Tracks wie The Ribs Of A Broken Umbrella oder The Great Defector deutlich, schade dass Bell X 1 diesen Impulse dann doch zu wenig nachgehen…
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