Musik-Besprechung - Keith - Vice And Virtue
Inhalt:
Keith bewirbt das Label Lucky Number gerne als "Manchester's best kept secret". Und tatsächlich, mit Keith kann man bis dato wenig bis gar nichts anfangen. Obwohl man schon für Lily Allen als backing band tätig war. Gut, das hat man verschwiegen. Doch dies alles soll sich nun ändern: gut 3 Jahre nach ihrem Debüt Red Thread legt die Band nun mit Vice And Virtue ihr zweites Album vor, welches von Dan Carey produziert wurde, der sich zuletzt u.a. für Tonight: Franz Ferdinand verantwortlich zeichnete. Carey sollte den Sound der Band dunkler, psychedelischer gestalten, gleichzeitig aber verfolgt die Band durchaus bewusst eine Richtung weg von den musikalischen Experimenten, welche auf ihrer ersten Platte doch großen Raum einnahmen, und hin zum Mainstream…
Der Opener Can't See Faces mit Sänger Oli Baystons markanter Stimme verrät gleich die Herkunft der Band, Manchester. Doch soundtechnisch ist man weit weg vom Sound der Stadt, wie ihn etwa die Doves oder Elbow derzeit prägen. Bayston erklärt dazu: "We've seen a lot of bands come out of Manchester recently playing anthemic, singalong songs that are easily to grab a hold of lyrically. I want our stuff to be recognized fort he opposite of that." Deutlich Richtung mainstreamigen Popsong tendiert dann Lullaby mit seiner Klaviermelodie, die die dominanten Gitarren des vorherigen Stücks ablöst.
Die kehren mit Up In The Clouds zurück, ein leicht an die frühen Radiohead erinnernder Song. Und die frühen Radiohead waren kompliziert, aber eben auch noch nicht wirklich spannend. Ein Problem mit dem Keith auch zu kämpfen haben: komplexe Songs, interessante Ansätze, darunter der geradlinige Popsong, siehe etwa Runaway Home, You Don't Know oder Don't Want To Be Apart. Doch ist das spannend, neu, irgendwie einzigartig? Im Leben nicht.
Und auch wenn Keith gerne düster, verstörend und wie auch immer klingen wollen, irgendwie wird man das Gefühl nicht los, auf Vice And Virtue scheint nie die Sonne, man höre sich nur einmal den Track Thick Skin an. Bei Lucid dominiert zur Anwechselung mal wieder das Klavier, Baystons Stimme scheint klarer, nicht so bemüht und gereizt. Was den Song dennoch nicht rettet, der bleibt leider belanglos. Ein Wort was auch die folgenden zwei Tracks bestens beschreibt; sowohl With Me als auch das Titelstück Vice And Virtue sind weder einprägsam noch bleiben sie groß in Erinnerung. Wobei der letzte Track zu Anfang noch durch seinen geradezu hypnotischen Groove besticht, der sich allerdings in einen endlosen psychedelischen Brei verwandelt, so dem Hörer gehörig auf die Nerven fällt und sich eben dieser Hörer das Ende des 9 Minuten 30 Songs lieber gestern als heute herbei wünscht…
Fazit:
"Music itself can be a vice or a virtue - it can be an addiction, the same as any relationship" erklärt Sänger Bayston und Keith sind der Musik, ihrer Musik augenscheinlich wirklich verfallen. Leider aber auch dem Anspruch mehr zu liefern als den soliden Popsong, den Mitsingtrack, die klassische Gitarrenhymne. Zwischen all den Experimenten und durchaus immer ähnlich klingenden Versatzstücken ihrer Songs gelingt es ihnen allerdings kaum, Musik mit wirklicher Tiefe, wirklicher Bedeutung zu schreiben. So klingen die Songs auf Vice And Virtue stets irgendwie gleich, wie ein sich endlos dahin ziehender Regentag. Und letztlich will man Regen selbst in Manchester nicht jeden Tag haben…
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