Musik-Besprechung - Neil Diamond: Hot August Night / NYC
Inhalt:
Vor 36 Jahren hatte Neil Diamond schon einmal eine „Hot August Night“ performed, damals in Los Angeles, im Greek Theatre. 2008 kehrte er in seine Heimatstadt New York zurück und spielte an vier aufeinanderfolgenden Abenden im komplett ausverkauften Madison Square Garden. Die vorliegende DVD entstand in diesen Tagen und zeigt eines der kompletten Konzerte, sowie Szenen Backstage.
Aufarbeitung:
Wer in den Siebzigern geboren wurde, der konnte sich oft genug vor
Elvis Presley nicht retten. Der Künstler war damals fast überall zu
hören. Da kam es fast schon einem Kulturschock nahe, dass nicht er
seine Lieder schrieb, sondern viele andere Künstler dafür
verantwortlich waren, darunter auch Neil Diamond, den eine Freundschaft
mit Presley verband und der sogar als jüdischer Elvis bekannt wurde.
Kaum Einen wunderte es, als Diamond große Teile von Presleys Band
übernahm, als dieser sich 1977 mittels einer Medikamentenüberdosis ein
frühzeitiges Ende setzte. Noch heute spielt beispielsweise Ronny Tut
als Schlagzeuger bei Liveauftritten von Neil Diamond.
Diamond war und ist auch Weggefährte der zumindest im Ausland
bekannteren Barbara Streisand, die sich bei dem Lied „You don‘t bring
me Flowsers“ zuerst ein virtuelles, dann ein echtes Duett lieferten.
Die Beiden gingen in Brooklyn sogar in denselben Chor. Er verkaufte 115
Millionen Platten weltweit, rangiert auf Platz der ewigen Bestenliste
der Billboard-Charts und wird dort nur von Barbara Streisand und Elton
John geschlagen. Ein Unbekannter ist er also bei weitem nicht mehr auch
wenn die Plattenkäufe nach den Achtzigern deutlich rückläufig sind.
Aber er tourt weiterhin erfolgreich durch die Welt und natürlich auch
durch die USA. Seine eigene Aussage dazu: „Werde ich jemals mit dem
Touren aufhören? Das wird nicht passieren.“
Nun, warum sollte er auch? Wenn ein Künstler mit 67 Jahren
nicht nur so fit aussieht, sondern auch noch stimmlich und konditionell
ein mehr als zweistündiges Konzert wie das hier vorliegende durchsteht,
dann kann er sicher noch eine ganze Weile weiter machen. Sein Wunsch
wäre sicherlich auf der Bühne zu sterben.
Natürlich merkt man Diamond irgendwo auch sein Alter an. Die
Augen sprechen hier Bände. Sie tränen, ein Auge ist kleiner als das
Andere. Aber das ist auch schon das Einzige, was augenscheinlich (man
verzeihe die Anspielung) sehen könnte. Die Bewegungen wirken etwas
träger, als bei einem jungen Künstler. Aber das macht Diamond mit einem
großen Charisma wett. Er reißt sein Publikum mit, das natürlich jeden
Song auswendig kennt. Kein Wunder, denn er spielt viele Lieder, die man
sehr wahrscheinlich sogar selbst kennt. „Crowd-Pleasers“ werden sie auf
der DVD genannt und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Seine Stimme
ist auch weiterhin eine Stimme, die Gemütsregungen auszulösen in der
Lage ist. Das gibt es heute nur noch selten.
Diamonds Band ist sichtlich auch nicht mehr die Jüngste, sie
touren mit ihm ja schon seit rund dreißig Jahren durch die Lande. Aber
das machen alle Musiker durch eine unglaubliche Professionalität wett.
Obwohl das Publikum sogar direkt unter ihnen sitzt haben sie die Zeit
zu lachen, sich richtig zu vergnügen. Wann sieht man das schon bei
einer Band, die ja „nur“ hinter dem eigentlichen Star des Abends
stehen.
Insgesamt ist das Konzert sein Geld absolut wert. Das kann man
sich gerne des Öfteren ansehen und anhören. Hier sind ganz sicher keine
Schlager zu hören, sondern grundsolider Rock‘n‘Roll mit ein wenig
frühem Pop vermischt. Das macht Spaß, Laune zum Tanzen und ist sicher
auch für die jüngere Generation geeignet.
Die technische Aufbereitung ist exzellent. Ein klares Bild,
hervorragender Sound und dazu als Bonusmaterial noch ein Ausflug von
Diamond in seine alte Heimat Brooklyn, das rundet das Ganze gut ab.
Schade ist nur, dass man nicht auch noch eine CD beigelegt hat, um die
Lieder auch außerhalb des DVD-Players genießen zu können.
Der Ausflug nach Brooklyn zeigt im Übrigen, wie sehr Diamond
auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist. Ungerührt setzt er sich in
die New Yorker Metro, lässt sich von Passanten grüßen und die Hände
schütteln. Witzig ist die Begegnung mit Jugendlichen in Brooklyn, die
ihn freilich gar nicht gekannt haben. Das alles macht einen
sympathischen Eindruck und ist Gott sei Dank weit von dem Gekreische
bei heutigen Musikgrößen entfernt.
Fazit:
Wer Neil Diamond noch nicht erlebt hat, sollte sich die DVD einmal anschauen. Und für die Fans ist sie ein Hochgenuss. Viele altbekannte Lieder sind drauf zu finden, einige Neue, die sich aber wohltuend einordnen und dazu eine Show, die eben kein Gehüpfe ist.
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Neil Diamond
Neil Diamond: Hot August Night / NYC
Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter
Label:
Sony Music
Erscheinungsjahr: 2008
Veröffentlichungstermin: 28.08.2009
Zur Website von Neil Diamond
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