Musik-Besprechung - The Burning Hell - Baby
Inhalt:
Mit The Burning Hell hat sich ein variables Lineup an Musikern um den Agoraphobiker und Teilzeit-Geschichtslehrer Mathias Kom aus Peterborough in Ontario, Kanada gruppiert. Dieser spielt zumeist elektrische Ukulele und schreibt wohl sämtliche Songs für The Burning Hell. Baby ist nun das dritte Album dieses Musikerkollektivs nach dem 2008er Werk Happy Birthday und dem Erstling Tick Tock. Baby ist ein Album, welches man beinahe vollständig live aufgenommen hat. Kern der neuen Platte sind nach eigener Aussage "songs about children und death", eine doch eigenwillige Kombination wie man meinen möchte…
Klingt alles merkwürdig und so will sich Kom und seine Band wohl auch verstanden wissen. Ähnlich versponnen ist auch die Musik von The Burning Hell: mit Old World eröffnet das Album in einer Art folkigen Improvisation aus Gitarren und Bläsern. Inklusive Babygeschrei. Ok. Sagt man jetzt mal nichts zu. So geht es dann auch weiter: nicht immer ganz zugängliche Melodie, überschäumende Einfälle und Merkwürdigkeiten textlicher Natur. Sieht man darüber weg können Tracks wie das über eine grandiose Orgelline balancierende Dancer/Romancer oder das spärlich skelettierte Everybody Needs A Body (To Be Somebody) durchaus begeistern.
Bonuspunkte für Merkwürdigkeit bekommt anschließend The Things That People Make, Part 2 für die in der Musikpresse zu Recht oft zitierte Textpassage: "You'll be the last giant panda bear, I'll be the last giant panda bear sperm". Top. Oder auch nicht. Auf das Instrumental Mosquito folgt mit Grave Situation, Part 3 der beinahe heiter wirkende jüngste Teil einer Trilogie über Mörder und deren Geschichten. Fiktiv und nach Kom versteht sich, also in den Lyrics pechschwarz, denn Kom erscheint diese Welt nach eigenem Bekunden ganz furchtbar. Eine Tatsache die er wohl nur mit Ironie zu begegnen weiß. So riecht die Precious Island dann auch schon mal nach "fish and death and it never ends". Bedrückend gegenüber der musikalischen Ausgelassenheit dieses Stückes wirkt dagegen Animal Hides, erneut ein kleiner Einblick in die merkwürdige Welt des Mathias Kom.
Den studierten Geschichtslehrer lässt dieser anschließend bei The Berlin Conference heraushängen; das geht sogar soweit, das man im Booklet der Platte eine kleine Erläuterung zu Berlin Konferenz von 1884 den Lyrics voranstellt. Auf den vermeintlichen letzten Track der Platte, das auf einer drum machine ausgelassen galoppierende When The World Ends, folgt mit Everything Will Probably Be OK ein nicht ganz so versteckter hidden track: das 7 Minuten Duett von Kom und Gastsängerin Jenny Omnichord stellt abermals die düster gelangweilte Weltsicht des The Burning Hell Frontmann einer normalen, eben der Omnichords, gegenüber. Und wie der Titel schon sagt, ist doch alles nicht so schlimm…
Fazit:
Bittersüße Folkmelodien, humorvolle, teils abstruse Texte voller Ironie - also bloß nicht alles ganz ernst nehmen. So könnte man die Musik und das Konzept hinter The Burning Hell zusammenfassen. Kann man mögen, kann einem aber auch was zu viel sein. Ansichtssache. Weniger zu diskutieren ist dagegen die musikalische Bandbreite, die Kom und seine Mitstreiter auf Baby präsentieren: Baby ist voller Einfälle und Energie. Deutlich näher als sein Vorgängerwerk Happy Birthday reicht die Platte an die großen, energiegeladenen Livemomente, für die Kom und Co. bekannt sind, heran - denn man erinnere sich, die Platte wurde live eingespielt, was der hörbaren Spielfreude von The Burning Hell nur entgegen kommen kann…
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