Musik-Besprechung - Zoey Van Goey - The Cage Was Unlocked All Along
Inhalt:
Zoey van der Kamp wurde 1969 in einer Gemeinde der Amischen in Pennsylvania geboren, bevor sie dann mit 15 Jahren nach New York zog und ihren Namen in Zoey van Goey änderte. Dort tauchte sie in die Street Art Szene ein, wurde selber Künstlerin und schon bald verschlug es sie nach Berlin, wo sie sich unter anderem im Umfeld von Regisseur Wim Wenders bewegte, in dessen Film Der Himmel über Berlin eine ihrer Wandmalereien zu sehen ist. Nach dem Fall der Mauer verschwand die Künstlerin weitestgehend aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit…
Soweit die vermeintlichen Fakten. Zoey Van Goey heißt nun eine Band, die zunächst mal außer dem Namen rein gar nichts mit dieser Frau gemein zu haben scheint. Die Musiker von Zoey Van Goey lernten sich 2006 an der Glasgow University kennen, nun ist ihr von Paul Savage, bestens bekannt durch The Delgados und The Phantom Band, produziertes Debütalbum erschienen und hört auf den Namen The Cage Was Unlocked All Along…
The Cage Was Unlocked All Along ist voller Harmonien und großer Melodien. Reiner, glasklarer Indie-Pop der vor allem auch durch die weiche Stimme von Sängerin Kim Moore lebt, wie gleich das erste Stück des Albums beweist, das wunderbar unaufdringlich leise The Best Treasure Stays Buried. Beschwingt schließt sich We Don't Have That Kind Of Bread an und schon kann man ahnen, warum die Musikfachpresse Zoey Van Goey bereits mit "like Postal Service with a sense of humour" beschrieben hat. Ja, vom Songwriting her sind da tatsächlich Parallelen zu finden, fehlen nur noch die für Postal Service so typischen elektronischen Elemente, welche dann aber sogleich bei Sweethearts In Disguise zum Vorschein treten. Auf We All Hid In Basement tritt Moore zum ersten Mal etwas mehr in den Hintergrund, Schlagzeuger Matt Brennan übernimmt zum Teil die Vocals. So auch im folgenden Song, Two White Ghosts, abermals süßlich leichter Indie-Pop.
Das 2007 als erste Single der Band von Stuart Murdoch - immerhin der Lead Singer von Belle and Sebastian - produzierte Foxtrot Vandals folgt und hätte zweifelsohne auch auf einer Belle and Sebastian einen Platz gefunden: grandioser Folk-Pop mit eingängigen Harmonien. Gilt auch für My Persecution Complex, weniger für die stille Ballade Nae Wonder, welche vielleicht ein wenig zu träumerisch ausfällt. Den deutlichsten Einschlag der Platte Richtung Folk nimmt dann Cotton Covering, ein solider Song, der aber zeitgleich die so schmeichelhaften und charmanten Melodien der anderen Album Stücke etwas vermissen lässt. Mit City Is Exploding verklingen leise die letzten bittersüßen Töne dieses hervorragenden Popalbums…
Fazit:
Doch wie kommt man nun zu jener Zoey van der Kamp zurück? Also die Dame aus der Einleitung? Wichtiger noch: wie kommen Zoey Van Goey an diese eigentlich mal ran? Denn die Band hat laut eigenem Bekunden nichts unversucht gelassen mit der verschwundenen Künstlerin in Verbindung zu treten. Zoey Van Goey, verzweifelt gesucht. Irgendwie passen. Und irgendwie lässt das dann doch auch fast an der Geschichte und Existenz der ominösen Künstlerin Zoey Van Goey zweifeln. Hat sich da das Trio aus Glasgow nur eine Story für einen ungewöhnlichen Bandnamen zu Recht gelegt? Mag sein. Ist aber letztlich vielleicht sogar egal. The Cage Was Unlocked All Along überzeugt durch seine Songs, Zoey Van Goey als Band - der Indie-Folk-Pop von Zoey Van Goey ist ähnlich unbeschwert und bunt wie das von Illustrator Peter Diamond gestaltete - und übrigens völlig großartige - Cover zu The Cage Was Unlocked All Along…
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