Musik-Besprechung - Charles Spearin - The Happiness Project
Inhalt:
Was haben Musiker aus dem Broken Social Scene Umfeld? Scheinbar viel zu viel Freizeit. Siehe Charles Spearin, der neben BSS auch noch in der Band Do Make Say Think aktiv ist. Und nun wie auch unlängst seine Kollegen Ohad Benchetrit aka. Years und Andrew Whiteman aka. Apostle Of Hustle auf Solopfaden wandelt. Samples seines neusten Projekts, das auf den Namen The Happiness Project getauft wurde, hat Spearin bereits im letzten Jahr auf diversen BSS Konzerten eingespielt, aufgenommen wurde das Album nun in Benchetrits Studio…
Spearin erläutert das Konzept und die Inspiration hinter seinem Album in aller nötigen Ausführlichkeit wie folgt: "These are my neighbours. […] A year or so ago I began inviting some of them over to the house for a casual interview vaguely centered around the subject of happiness. […] After each interview I would listen back to the recording for moments that were interesting in both meaning and melody. By meaning I mean the thoughts expressed, by melody I mean the cadence and inflection that give the voice a sing-song quality. It has always been interesting to me how we use sounds to convey concepts. Normally, we don't pay any attention to the movement of our lips and tounge, and the rising and falling of our voices as we toss our thoughts back and forth to each other. We just talk and listen. The only time we pay attention to these qualities is in song. […] I wanted to see if I could blur the line between speaking and singing - life and art? - and write music based on these accidental melodies. So I had some musician friends play, as close as they could, these neighbourhood melodies on different instruments […] and then I arranged them as though they were songs. All of the melodies on this album are the melodies of every day life." Dem kann man eigentlich nichts hinzufügen: Tracks wie Mrs. Morris oder Mr. Gowrie sind mehr vertonte Eindrücke denn reine Musikstücke. Entsprechend schwierig ist The Happiness Project auch als reine Platte zu begreifen. Melodien, Stimmen, alles versucht sich uneins einig zu werden, eine Synthese zu bilden und doch wird diese selten erreicht. Doch Spearin bezeichnet dieses Unterfangen, nun auf Platte gebannt, zurecht als Projekt: The Happiness Project ist eine Versuchsanordnung, eine Idee, das Resultat ist und bleibt weitgehend offen…
Fazit:
Erneut möchte man meinen, auch diese Platte richte sich eher an BSS Liebhaber und -fans denn an den durchschnittlichen Musikhörer. Und so ist The Happiness Project auch alles andere als leichte Kost - nicht umsonst hat sich das Projekt unlängst in eine Art Ausstellungskonzept gewandelt. Spearin hat dazu in Montreal ein ganzes Haus, Zimmer für Zimmer dem Projekt gewidmet. Jeder Raum spielt einen Track der Platte in einer Endlosschleife, befreundete Künstler haben die Räume gestaltet. Und vielleicht, nein, eher wahrscheinlich funktioniert in diesem Rahmen Spearins Projekt viel besser als als reine akustische Performance.
The Happiness Project ist so zweifelsohne ein ambitioniertes Ansinnen, welches beim Hörer dennoch auf massive Gegenwehr stößt, da es sämtlichen Erwartungen und Hörgewohnheiten zu widersprechen scheint, die man an eine Musikaufnahme stellt. Spearings Ambitionen in allen Ehren - so wurde The Happiness Project etwa auch für den renommierten kanadischen Polaris Music Price nominiert, welcher allerdings an Fucked Up für The Chemistry Of Common Life ging - aber wirkliche Dauerhaftigkeit wird man hier nicht finden, The Happiness Project ist mehr eine intensive Momentaufnahme denn eine nachhaltige Erfahrung. Die man entsprechend vielleicht wirklich dieser Tage in Montreal vor Ort in einem musealen Rahmen erleben sollte…
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