Musik-Besprechung - Years
Inhalt:
Hinter dem Projekt Years und dem dazugehörigen, gleichnamigen Debütalbum steht der Musiker Ohad Benchetrit. Benchetrit ist kein Unbekannter in der kanadischen Indielandschaft, so ist er etwa auf Alben von Broken Social Scene als auch den Hidden Cameras zu hören. Years ist seine erste Soloveröffentlichung, über deren Entstehung der Musiker unlängst sagte: "I basically just wanted to use all of this material that I'd compiled on my hard drive […] songs that got started and never finished, or that were parts of other projects and never really got off the ground. So I started trying to finish that [unfinished] record. But in the process, I kept replacing the older songs, one song at a time. About a year later, I'd replaced them all. Years was the album I was left with."
Mit Kids Toy Love Affair gelingt Benchetrit ein sphärischer Einstieg, verschwimmend und kaum greifbar. Das nächste Stück, Don't Let The Blind Go Deaf, ist dagegen ein leiser Gitarrensong, dem das schwere und ungehaltene Are You Unloved? folgt.
Benchetrit, vornehmlich natürlich für seine Gitarren- und Bassarrangements bekannt, stellt eben auch auf Years diese beiden Instrumente deutlich in den Vordergrund, orchestriert darum aber allerhand Instrumente, die man stellenweise gar nicht benennen kann, so vielschichtig und dicht werden die Songs gestaltet, etwa das experimentelle und erschreckende Hey Cancer... Fuck You!. Wesentlich ruhiger schließt sich dann Binary Blues an, das abrupt abbricht und in A Thousand Times A Day (Someone Is Flying) umschlängt, übrigens dem ersten und einzigen Track der Platte, auf dem irgendeine Art von Gesang zu finden ist.
Ohnehin verschwimmen auf dem Album die Grenzen zwischen den einzelnen Songs und man wird sich wahrscheinlich ebenso schwer tun diese Grenzen exakt zu benennen wie auch die einzelnen Titel der Lieder zu entschlüsseln. Was mag sich hinter The Assassination of Dow Jones für eine Geschichte verbergen? Wieso hat Benchetrit gerade Lasantha Wickrematunge einen gleichnamigen Song gewidmet? Wird mit September 5. October 21. 2007. der Entstehungszeitpunkt des Liedes markiert oder haben diese Daten mehr Bedeutung? Es sind kleine Rätsel wie diese, die Years auf- aber nicht preisgibt und so an Reiz gewinnt. The Fall Of Winter schleppt sich gemächlich dahin und The Major Lift stellt erneut die orchestralen Qualitäten des Albums heraus, bevor sich Benchetrit mit 44 in eine weite Klanglandschaft verabschiedet…
Fazit:
Mit Years legt Ohad Benchetrit ein beinahe komplett instrumentales Album vor, das wenig von einem Konzeptalbum hat und fast zufällig zustande kam: "The album was kind of evolving as it was being created, and I didn't actually know what I was going to end up with until it was done". Über den auffälligen Mangel an Vocals auf Years meint der Musiker: "I guess I was starting to make a more personal record, just kind of a record for myself. I did the things that I enjoy listening to and writing. Unfortunately, I don't have a good voice, so that meant not a lot of vocal songs." Aber Years kann durchaus auf Gesang verzichten; das Album ist stimmungsvoll, aufgeladen, beizeiten hektisch und launisch, atmosphärisch und zerbrechlich. Und darüber hinaus überaus hörenswert…
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