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Oomph! wird vom Echo ausgeladen - wegen eines Liedes über Gott |
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Vom Messen mit zweierlei Maß.
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Es wird eigentlich immer grotesker. Da schlagen sich in manchen muslimischen Staaten einige ewig gestrige die Köpfe ein, weil der Prophet Mohammed in Karikaturen zweifelhafter Qualität zu sehen war. Und dann wird eine Band von RTL ausgeladen, weil diese sich in ihrem neuesten Lied über Gott auslässt.
Also im Einzelnen. Die deutsche Band "Oomph!" hat vor rund eineinhalb Jahren einen Nummer Eins Hit feiern können und bekam zudem ein Platin-Album. Das ist ein beachtlicher Erfolg. Auch wenn man mal bedenkt, daß deutsche Musik mal wieder im Kommen ist und oft erfolgreicher ist als deren Pendants aus dem Ausland. Die Band sollte eigentlich in diesem Jahr mit dem Titel "Gott ist ein Popstar", der unlängst als neue Single auf den Markt kam, bei der Echo-Verleihung spielen. Doch jetzt wurde die Band ausgeladen und zwar vom übertragenden Sender RTL. Der äußerte sich mit den Worten: "Im Kontext der aktuellen, internationalen religiösen Diskussionen und im Lichte einer allgemeinen Verantwortung sehen wir eine Aufführung des Songs 'Gott ist ein Popstar' sehr skeptisch, ja als nicht zu verantworten."
Nur einmal zum Mitschreiben: Ein Sender, der in seinen Nachrichten ausführlich über die Karikaturen berichtet und diese auch gezeigt hat, wird auf einmal sensibel, wenn es um das Thema Gott geht! Ist das nicht eigentlich blanker Hohn? Verkehrte Welt? Zweierlei Mass?
Ja sicher, die Band geht nun nicht gerade zimperlich mit dem Thema um, denn im Songtext heißt es unter anderem: "Ich geb euch Liebe, ich geb euch Hoffnung, doch nur zum Schein, denn die Massen wollen betrogen sein." Jetzt stellt sich die Frage, ob das nun schlimmer, weniger schlimm oder überhaupt nicht schlimm ist - im angesprochenen Kontext.
Schauen wir uns doch einmal die Geschichte der katholischen Kirche an. Insbesondere das Kapitel "Ablasshandel". Den Gläubigen wurde das Paradies versprochen, wenn sie einen Ablassbrief kaufen. Und nicht nur das: Ihnen wurde sogar ermöglicht einen Ablass für ihre verstorbenen Verwandten zu kaufen - also quasi das Paradies im Nachhinein. Methoden, die unter anderem von Martin Luther angeprangert wurden und die letztlich zur Reformation führten.
Sieht man einmal den zitierten Songtext in diesem Kontext, dann muß man einfach sagen, daß der Song geschichtliche Wahrheiten widergibt. Selbst wenn man den Kontext weglässt, ist der Song nichts anderes als eine Meinungsäußerung. Ich persönlich sehe den oben zitierten Songtext als reinen Pragmatismus, vielleicht als Satire. Natürlich kann auch der Song von Oomph! für manchen guten Christen verletztend sein. Jede Meinungsäußerung kann das sein. Jede Satire kann das sein.
Ist es nun richtig den Song zu verbieten oder die Band auszuladen und den Song nicht im Radio zu spielen? Wenn wir es mit der vielzitierten Meinungsfreiheit wirklich ernst meinen: NEIN! Wenn wir wirklich der Meinung sind, daß die Mohammed-Karikaturen so wie sie sind in Ordnung sind, dann müssen wir auch damit leben, daß auch die christliche Welt auf die Schippe genommen und satirisch behandelt wird. Ansonsten ist es zweierlei Maß, was hier angesetzt wird. Man kann nicht das Eine wollen und das Andere lassen.
Davon einmal unabhängig würde ich persönlich weiterhin weder Karikaturen, noch Lieder, noch jede sonstige künstlerische Behandlung des Themas Religion unkritisch sehen. Religion ist für eine künstlerische Aufarbeitung immer ein Thema, das man besser unangetastet lassen sollte. Es sollte nicht die Aufgabe von Künstlern sein Religion kritisch zu betrachten, sondern eher die Aufgabe der Bevölkerung an sich.
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Artikel vom:
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04.03.2006 |
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Kategorie:
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Kolumne
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Autor dieses Artikels:
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Bernd Glasstetter |
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